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Südwestlich des Gardasees liegt Brescia, eine der schönsten Kulturstädte der Lombardei.
Die Besiedlung Brescias geht bis in die Bronzezeit (IX Jh. vor Chr.)zurück. Aus dieser Epoche, der keltischen sowie aus römischer Herrschaft sind noch zahlreiche gut erhaltene Ausgrabungen, darunter römische Wohnungen mit Wasserversorgungssystemen und Mosaikfußböden zu besichtigen.
Aus Brescias keltischer Periode stammt auch der Name der Stadt, als sich diese Ansiedlung noch auf dem Hügel, der brica (briga) befand. Unter dem römischen Kaiser Augusto hieß die Stadt "Colonia civica Augusta Brixia". Wahrscheinlich stammt der Name Brescia dem venezianischem Einfluss. Das heutige Brixen (Bressanone) befindet sich weiter nördlich in den Voralpen.

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Die strategische Position zwischen den Voralpen und der Poebene sowie zwischen Mailand und Venedig hatte Vor- und Nachteile für Brescia: Einerseits war die Stadt am Eingang zum Trompia-Tal, zwischen Gardasee, Idro- und Iseo-See idealer Handelsumschlagplatz, andererseits stets umkämpfter Herrschaftssitz.
Auf dem Hügel Colle Cidneo oberhalb der römischen Stadt wurde im Mittelalter eine Verteidigungsburg, das Castello von Brescia, errichtet. Es diente den wechselnden Herrschaftern von Brescia (Langobarden, Visconti, Napoleon, Venezianer, Österreichern) zur Machtverteidigung.
Im 2. Jh. vor Christus begannen die Römer ihre Herrschaft in Brixia, ohne jedoch die Stadt zu kolonialisieren. Die Herrschaftsallianz verlief friedlich, was am Bau des vorkapitolinischen Tempels erkennbar war.
Dieser bestand aus 4 Zellen anstatt der üblichen 3 Sektionen, die den römischen Göttern gewidmet sind. Die 4. (östliche) Sektion war wahrscheinlich einem lokalen Heiligen gewidmet, entweder Bergimo (dem kaltischen Gott) oder Ercole, nach dem der Tempel benannt wurde.
Im 1. Jh. (69 n.Chr.) wurde der Tempel des Ercole abgerissen oder zerstört und ein neuer Tempel der kapiolinischen Dreiheit aus Jupiter (Gott von Himmel, Licht und Blitz), Juno (der Göttin der Frauen, der Ehe und der Geburt) und Minerva (Patronin der Handwerker) errichtet.
Die Ruinen des Kapitolinischen Tempels sind noch heute gut erhalten und in via die Musei am Rand des Hügels von Brescia zu besichtigen.
Große Teile des Tempels waren aus Marmor aus dem nahen Botticino. Im Inneren des Tempels befanden sich Altare aus dekoriertem Stein für die Opfergaben. Im hinteren Teil der Zellen war ein Fundament, auf dem die Götterstatue thronte.
In der mittleren Zelle des Kapitolonischen Tempels fand man eine Marmorstatue, die eine Höhe von 4,20 m hatte und von der ein Teil des Torso und die Zehen im Museum S. Giulia erhalten sind. Wahrscheinlich handelt es sich um die Statue des auf dem Thron sitzenden Jupiter Ottimo Massimo Capitolino.
Der Tempel erhob sich ehrwürdig über dem Forum Romanum, das eine Fläche von 40 x 120 m einnahm.
Das Forum vor dem Kapitol war Markt- und Handelsplatz von Brixia, umgeben von Laubengängen, in denen sich zahlreiche Läden befanden. Im Süden wurde das Forum durch die Basilika, das antike Tribunal abgeschlossen.
In der Nähe des kapitolinischen Tempels wurde auch die berühmte Bronzestatue "Vittoria Alata", gefunden, heute Symbol von Brescia und im Museum Santa Giulia ausgestellt.
Der Cidneo Hügel wird nachweislich seit der Bronzezeit frequentiert und hatte seine ersten Bewohner in der gallischen Zeit, die einen Tempel auf dem Hügel errichteten. Der Tempel war dem keltischen Gott Bergimus gewidmet.
Im Augustinischen-Tiberianischen Zeitalter im 1. Jd. V.Chr. wurde der Cidneo Hügel in die Stadtmauern integriert.
Heute dient das Castello von Brescia der Erholung und insbesondere am Wochenende ist der großzügige Park als grüne Lunge der Stadt beliebtes Ausflugsziel. Vom Castello hat man eine gute Aussicht über die Stadt.
Im Castello befindet sich eine private Waffensammlung, die im Museum zu besichtigen ist.
Direkt nebeneinander stehen die beiden Gotteshäuser auf der Piazza Paolo VI, dem Domplatz.
Ein besonderes Erlebnis ist die Besichtigung des alten Doms (auch Rotonda genannt) aus dem 11 /12. Jahrhundert. Mit seinem runden Grundriss und seinem faszinierenden harmonischen Innenraum stellt er das bedeutendste romanische Bauwerk der Lombardei dar.
Wertvolle Kunstwerke sind in der linken Kappelle der Heiligen Kreuze aufbewahrt.
Der Chor wird von einem Bildnis der "Heiligen Jungfrau" von Moretto ausgefüllt. In ihm befinden sich von Antonio aus Soresina 1522 gefertigte schöne hölzerne Chorstühle.
Seitlich der Treppe, die zum Presbyterium empor führt, befinden sich zwei kleine Treppen, die zur Krypta führen. Die Krypta ist dem Heiligen Filastrio geweiht, einem Bischof von Brescia aus dem 4. Jahrhundert.

Säulen und Kapitelle sind teilweise aus römischer Zeit und dem byzantinischen Ravenna.
Auch der neue Dom ist reich an Meisterwerken, dem Bogen der Santi Apollonio und Filastrio von 1510 und der Renaissance-Kuppel, die die drittgrößte in Italien nach dem Petersdom von Rom und der Basilika Santa Maria del Fiore von Florenz ist.
Der Broletto befindet sich auf dem Domplatz und war der antike Palast der Kommune mit dem Turm Torre dei Merli (genannt Pegol) und der Balkon der Bekanntmachungen.
Der Broletto (lat. brolo) war der öffentliche Platz, auf dem Gericht gehalten, Obst und Gemüse verkauft wurde. Später wurde das Rathaus als Broletto bezeichnet.
Die römische Stadt wurde durch Stadtmauern begrenzt, deren Lage noch heute nachvollziehbar ist. Die westliche Begrenzung war "Porta Bruciata" (von den Römern Porta Mediolanensis genannt), ein durch einen verheerenden Brand 1184 abgebranntes Stadttor, in dessen Durchgang sich heute ein historisches Restaurant befindet.
An Porta Bruciata schließt sich der schönste Platz Brescias an, die Piazza della Loggia mit dem Palazzo "La Loggia". Das aus der Renaissance stammende architektonische Ensemble wird durch den Palast der Kommune (La Loggia, 1492-1570) im Norden und Fassade "Monte di Pietà" aus dem 15. / 16. Jh., wofür Steine aus den Ausgrabungen römischer Gebäude verwendet wurden, im Süden begrenzt.
Besonders schön ist die Sonnenuhr aus dem 16.Jh. über dem östlichen Durchgang. Der Uhrmechanismus ist seit der Herstellung noch immer voll in Betrieb. Die Zeiger der Uhr zeigen dank einer ausgeklügelten Mechanik die Stunden an. Die Stunden werden von den charakteristischen Statuen an der Spitze der Turms geschlagen, wodurch sie "i Macc dè lé ure" (die Verrückten der Stunden) genannt werden.
Im größten Museums Brescias, das in den Benediktinerklöstern Santa Giulia und San Salvatore untergebracht ist, sind archäologische Fundstücke aus drei Jahrtausenden zu bewundern.
Es befindet sich in den inneren römischen Stadtmauern unweit des noch in Teilen stehenden kapitolinischen Tempels (Campidoglio) des Forum Romanum.
Der genaue Ursprung der Statue Vittoria Alata ist nicht bekannt, man vermutet die Herstellung der "Aphrodite" im 3. Jahrhundert vor Christus. Die weibliche Bronzestatue trägt eine Tunika und stand wahrscheinlich mit einer Feder in der Hand an einem Schreibtisch.
Während der Körper mit einer Wachsform gegossen wurde, sind die Flügel aus einem Stück gefertigt.
Bei Grabungen zur Erweiterung des Museums wurden ganze Wohnungen mit Wassersystemen und herrlichen Mosaikfußböden freigelegt, die dank der leichten Erde darüber sehr gut konserviert wurden. Die Größe und Pracht der Räume mit den Fresken an Wänden und Decken zeugen von der hohen Wohnkultur der Römer.
Domus dell'Ortaglia, Domus di Dioniso, Domus delle Fontane.
Es sind die Ausgrabungen mehrerer kompletter Wohnungen aus dem 3. Jhd. zu sehen: Die Grundmauern, die präzise gefertigten Mosaikfußböden, das Kanalsystem für fließend Wasser im Bad und Springbrunnen, das System der Heizung des Schlafraumes, die Freskenmalereien an den Wänden je nach Funktion des Raumes.
Das Wasser wurde aus dem Fluss Mella, dem Bach Garza entnommen. Es wird vermutet, dass bereits die Römer ein Kanalsystem durch Brescia bauten (Naviglio), das im Mittelalter weiter ausgebaut wurde.
Das Kloster wurde, beginnend mit dem Bau der Kirche San Salvatore auf den Ruinen aus der Römerzeit errichtet.
Prachtvoll sind die Kirchen des Klosters: Die Kirche San Salvatore mit dem Nonnenchor sowie die Kirche Santa Maria in Solario (Gebaut Mitte des 12. Jahrhunderts) mit dem Sternenhimmel und dem Schatz des Klosters: dem Kreuz des König Desiderius, einem Meisterwerk der Goldschmiedekunst aus dem 9. Jahrhundert, das mit 212 Schmuck- und Edelsteinen bestückt ist.
Eine der bedeutendsten Familien Brescias waren die Martinengos. Die Familie kam dank Ihres Landbesitzes, durch das mehrere Wasserwege verliefen, zu Reichtum. Für die Wasserwege wurde Maut erhoben. Heute gibt es noch 18 Paläste der Familie Martinengo in Brescia zu sehen, von denen einige zugänglich sind. Der letzte Nachfahre schenkte die Paläste der Kommune, die sie zu Museen, Stadteinrichtungen, aber auch für private Nutzung ausbaute.
Pinakothek Tosio Martinengo im Palazzo Martinengo da Barco in Piazza Moretto mit Werken von Rafael (Raffaelo Sanzio), Andrea Solario, Vincenzo Foppa u.a.
Im Palazzo Celéri-Martinengo in via Dante befindet sich in einem privaten Club Sala Moretto, ein von Tintoretto komplett ausgemalter Raum, an dessen Wänden sich die Bildnisse der Damen der Familie Martinengo befinden. Darunter das Bild von Eleonara Martinengo, der Frau von Ludovico, die nach zwei Jahren Ehe bei der Geburt ihres Kindes starb.
Im Hausflur hinter der gläsernen Eingangstür sthet noch das Monument von Antonio Martinengo, dem Vater Ludióvicos.
Brescia ist Start- und Zielpunkt des berühmten Oldtimer-Rennens Mille Miglia. Die historische Tour findet im Mai statt und verläuft von Brescia nach Rom und zurück.
Die Mille Miglia wurde 1927 ins Leben gerufen und machte einst die italienischen Marken Alfa Romeo, Lancia und Ferrari weltweit bekannt.
Seit 1977 gibt es die Mille Miglia Storica, eine Parade von Oldtimern, deren Baujahr vor 1957 liegt.